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Dieses Thema hat 52 Antworten
und wurde 459 mal aufgerufen
 Die Wiedervereinigung
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Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

29.04.2012 21:46
#31 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Bis 1945 gab es drei große Industriestandorte im Altreich: das Ruhrgebiet, Oberschlesien und Mitteldeutschland. Mitteldeutschland im Bereich der Sowjetzone/DDR wurde durch Erhebung von Reparationen ausgeplündert. Maschinen und Anlagen, einschließlich des habhaften Personals an Technikern und Ingenieuren, rollten ins Sowjetland. Das zweite Eisenbahngleis einer jeden Strecke der Reichsbahn wurde demontiert. Dieser Irrsinn wurde erst nach den Unruhen des 17.Juni 1953 eingestellt. Bestehen blieb, bis zum Ende der DDR, die vorrangige Versorgung der Sowjetunion mit hochwertigen Industriewaren. Noch heute erkennt der Rußland-Besucher das "Made in DDR" auf Reisezügen und Fahrgastschiffen. Auch die zivile Versorgung der "Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" stellte die DDR-Industrie sicher. Obwohl die West-Exporte nicht den Umfang der Ost-Lieferungen nur annähernd erreichten, richteten sie großen politischen Schaden unter der DDR-Bevölkerung an. Mit Westgeld war ein Pkw "Wartburg 353" über GENEX nach vier Wochen Wartezeit in der Garage, für das (eigene) Ostgeld erst nach zehn Jahren in der "Warteschleife".

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

30.04.2012 06:21
#32 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Kleine Entschuldigung an alle Forum-Teilnehmer ! Der DREI-INDUSTRIE-ZENTREN-BEITRAG ist von mir in zwei "Ausgaben" ins Netz gestellt worden. Lag mir wohl besonders am Herzen.

Raginher Offline



Beiträge: 145

30.04.2012 23:31
#33 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

und weiter? So etwas kann jedem passieren. Mir hat mal Katze einen Beitrag mehrfach eingetragen. Ich guckte ziemlich doof,als ich das sah, vor allem, dass ich da in dem Forum Moderator war. Das Ding gibt es nicht mehr.
Was Reparationen angeht, so hat die SBZ viel mehr gelitten als die Westzonen. Bei den Franzosen und Engländern wurde das meiste abgebaut. Im Gegensatz zur SBZ flossen aber durch den Marshallplan immense Geldsummen in die Westzonen und damit wurde eine hochmodernste Industrie ermöglicht

stomatophylax Offline



Beiträge: 350

03.05.2012 12:50
#34 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Raginher,

das Marshall-Plan-Märchen wirkt nach wie vor weiter. Von den insgesamt 13,9 Mrd Dollar erhielt Deutschland 1,4 Mrd, pro Kopf erwa 26 Dollar. Die anderen Länder erhielten mehr als das Doppelte, Griechenland sogar 91 und Österreich 104 Dollar! Im Gegensatz zu gern erzählten Märchen war der Marshall-Plan eine gigantische Exportfinanzierung für US-Überschusswaren, vor allem aus der boomenden Landwirtschaft. Die begünstigten Staaten erhielten de facto einen Dollarkredit, mit dem sie die US-Waren kaufen mussten, die dann auch auf amerikanischen Schiffen transportiert wurden. Geliefert wurden überwiegend Getriedeerzeugnisse, Fette, Baumwolle und Tabak. Durch den US-Tabak wurden die türkischen Tabakbauern vom europäischen Markt verdrängt, das Gleiche gilt für die ägyptische Baumwolle. Industrieausrüstungen wurden nach Deutschland überhaupt nicht geliefert, es kam lediglich eine Handvoll Traktoren an. Der schnelle Wiederaufstieg Deutschlands hat seine Ursachen in der Tatsache, dass die Industrie bei Kriegsende über Mengen modernster Anlagen und Maschinen verfügte, die zum größten Teil während des Krieges erzeugt worden waren. Die Demonmtagen konzentrierten sich auf Großanlagen der Synthesechemie und Metallurgie. wobei oft nur einige wichtige Kernsysteme demontiert wurden, dadurch der Betrieb aber nicht mehr arbeiten konnte. Die Westalliierten hatten schnell erkennen müssen, dass ein deindustrialisiertes Deutschland ganz Europa in den Abgrund gezogen hätte. So ließ man die Industrie und vor allem den Bergbau wieder anlaufen, damit Nahrungsmittelimporte bezahlt werden konnten. Die Initialzündung zum Aufschwung gab dann der Korae-Krieg, in dessen Folge die Preise für Stahl und Kohle explodierten. Deutschland ist übrigens das einzige Land, das seine Marshall-Plan-Krdeite zurückgezahlt hat, und zwar schon 1956. Allen anderen Nehmerländern wurden die Schulden erlassen.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

05.05.2012 13:01
#35 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Etwas Statistik zu den Ausgangsbedingungen der DDR-Wirtschaft.
Auf dem Gebiet der DDR waren im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt oder zerstört worden:
- 70 Prozent der Energieerzeugung,
- 45 Prozent der Industrieanlagen,
- 40 Prozent der Landmaschinen.

Anteile der Produktion des Deutschen Reiches auf dem Gebiet der DDR (Stand 1939):
- 30 Prozent (!) der gesamten Industrieproduktion,darunter
- 19 Prozent der Produktion von Landmaschinen,
- 15 Prozent der Produktion von Getrieben und Wälzlager,
- 15 Prozent der Produktion von Zement,
- 11 Prozent der Produktion von Elektromotoren,
- 8 Prozent der Produktion warmgewalzten Stahl,
- 8 Prozent der Produktion von Phosphordünger,
- 7 Prozent der Produktion von Verbrennungsmotoren,
- 7 Prozent der eisenerzeugenden Industrie mit 4 Hochöfen,
- 5 Prozent der Förderung von Eisenerz,
- 3 Prozent der Förderung von Steinkohle.

Quelle: Staatliche Zentralverwaltung für Statistik,DDR 1989.

C a t e x u s Offline




Beiträge: 2.788

05.05.2012 14:09
#36 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Danke Dir, die Zahlen sind eindeutig.

Gruß Alex

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stomatophylax Offline



Beiträge: 350

05.05.2012 16:32
#37 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Leider sind die Zahlen weder eindeutig noch aussagefähig, und zwar aus folgenden Gründen: Die Industriekapazität war 1945 gegenüber 1939 deutlich größer, die Buna- und Synthesekraftstofferzeugung war 1944 5- bzw. 4,5-mal so hoch wie 1939. Und die meisten dieser Werke lagen in Mitteldeutschland.
1939 lebten auf dem Gebiet der späteren DDR 13,8 Mio, mit Berlin 18,2 Mio Menschen, d.h. 17,5 bzw. 22,9% der Gesamtbevölkerung von 79,375 Mio. Mit 30% der Gesamtindustrie war Mitteldeutschland also bereits sehr gut aufgestellt; bei der Chemie war es der größte Produktionsbereich 24 - inkl. Berlin 32% , gegenüber 17% im Rhein-Ruhrgebiet und 16% im Gebiet Ludwigshafen-Frankfurt. Die meisten Flugzeug- und Flugmotorenwerke lagen in Mitteldeutschland, dazu ein Großteil der Panzer-, Lkw- und Lokomotiv/Waggonfertigung.
15% der Anlagen der Chemieindustrie sind durch Bombardierungen zerstört worden, die Demontagen durch die Sowjets betrugen ein Mehrfaches! dieser Schäden. Es liegt auf der Hand, dass ein statistisches Buch der DDR diese Fakten natürlich verschweigen musste. Dieses sinnlose Ausplündern durch Stalins Kreaturen hat Mitteldeutschland um seine industrielle Basis gebracht und die schwerarbeitenden Menschen um die Früchte ihrer Arbeit betrogen.

C a t e x u s Offline




Beiträge: 2.788

05.05.2012 18:52
#38 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Ursprünglich wollte ich meinem letzten Beitrag noch folgenden Satz beifügen: "Sicher wird sich wieder ein Grund finden, warum diese Zahlen nicht stimmen können - zumal sie auch noch aus DDR Zeiten stammen".
Ich dachte mir, ich lasse diesen Sarkasmus mal weg...
Nun kam genau die Antwort die ich zu 99,99% erwartet habe.

Halten wir fest, dass historisch belegt ist, dass Statistiken auf diesem Sektor zu DDR Zeiten nie gefälscht wurden. Die Ergebnise die aus ihnen gezogen wurden, sind vieleicht manipuliert worden, daber niemals die Statistiken selbst. Dieser rote Faden zieht sich durch alle administrativen Instanzen der DDR. Das bekannteste Beispiel dafür ist das MfS. Die Grundlagen an Informationen wurden immer 1:1 geliefert - nur leider sind zu oft die falschen Schlüsse daraus gezogen worden. Kai´s Quellenangabe ist eine solche Grundlage. Wer das anzweifelt bleibt einen Gegenbeweis schuldig.

Gruß Alex

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Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

05.05.2012 20:39
#39 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Ich habe in meiner zivilen Ausbildung zum Betriebswirt (nach 1990) auch das Fach "Statistik" erleben müssen. Natürlich sind Statistiken (auch heute und immer) "beeinflußbar" von ihrer Aussage her. Die Genossen der DDR-Statistik brauchten aber 1989 nicht mehr den "Zorn des Großen Bruders" fürchten ! Die DDR war (!) bereits verkauft worden.

stomatophylax Offline



Beiträge: 350

06.05.2012 18:34
#40 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

catexus,

ich behaupte ja nicht, dass die Zahlen falsch sind. Allerdings sind sie nur ein Ausschnitt der Gesamtindustrie und was 1939 existierte ist völlig belanglos: 1945 war die Situation eine andere und zwar im Positiven, die Kapazitäten waren erheblich größer und der Maschinenpark moderner.
Ein Blick nach Oberschlesien zeigt dies deutlich. Während 1939 38 Mio t Steinkohle gefördert wurden, waren es 1943 und 1944 jeweils über 100 Mio t. Mittel- und Ostdeutschland wurden einfach aus strategischen Gründen - Entfernung von den britischen Flugplätzen - und weil dort genug Arbeitskräfte vorhanden waren, bei der Erweiterung vorhandener und beim Bau neuer Werke bevorzugt. Krupp hat während des gesamten Krieges nie mehr als 45% seiner Kapazitäten für Rüstungsgüter eingesetzt, die Masse war der Erzeugung neuer Werks- und Bergwerksausrüstungen vorbehalten.
Von der vorhandenen Substanz her war Mitteldeutschland bei Kriegsende also hervorragend aufgestellt. Der unaufhörliche Niedergang trotz vieler fleißiger Arbeiter geht voll auf die Kappe des sowjetischen Wirtschaftssystems, Dennoch muss die Frage gestellt werden, warum trotz mitlerweile bester Infrastruktur und riesigen Fördersummen die industrielle Produktivität nur 80% der westdeutschen beträgt.
Im Übrigen hat der alte Gauner Churchill, der viel Mist erzählt hat, zu Statistiken die bis heute richtige und nie widerlegte Aussage getroffen: Ich glaube grundsätzlich nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe.

C a t e x u s Offline




Beiträge: 2.788

06.05.2012 21:09
#41 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Man beachte aber dazu auch die Zahlen von Speer. Um die Ziele zu erreichen waren zu Kriegsende nur noch 50% der Leistung und Resourcen notwendig wie zu Beginn des Krieges. Das lag nicht an zusätzlichen Produktionsanlagen. (Aber das ist wieder ein anderes Thema)

Ich denke wir diskutieren da im Kreis. Mir ging es hauptsächlich um die Aussage, dass die DDR Wirtschaft fast ausschließlich auf Vorkriegs- und Kriegsproduktionanlagen beruht haben soll. Jeder der in der DDR gelebt hat weis, dass das Quatsch ist.

Gruß Alex

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Raginher Offline



Beiträge: 145

06.05.2012 21:53
#42 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Zitat
Gepostet von stomatophylax
Hessen fast rein agrarisch geprägt. Die Industrie, die dort heute steht, ist fast auschließlich nach dem Krieg entstanden, als AEG, Siemens, Auto Union und viele andere ihren Sitz in den Westen verlegten.[/b]


das sehe ich nicht so, Röchling, Buderus, in Wetzlar, Henschel in Kassel, Firmen im Grossraum Frankfurt und Darmstadt. Mainz, Worms und Hanau gehör(t)en auch noch dazu. Und da gab es jede Menge Industrie, Leitz Wetzlar gehört ja auch dazu.

stomatophylax Offline



Beiträge: 350

08.05.2012 14:22
#43 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Raginher,

Industrie gab es in allen großen Städten Deutschlands. Sie waren ja durch die Industrie zu Großstädten gewachsen, nur das umgebende Land war eben fast ganz agrarisch geprägt. Leitz war immer eine kleine Firma, Buderus war auch kein Gigant, größte Arbeitgeber in Hessen waren Henschel und Opel.

C a t e x u s Offline




Beiträge: 2.788

10.05.2012 23:10
#44 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Ein weiteres Thema in Sachen Ostausbeute war die Pharmaindustrie. Diese Problematik ist heute recht unbekannt, aber es wurden knapp 30 Patente während der Wendezeit in den Westen verschleppt. Darunter u.A. das Berotec. Gelang es nicht die Patente einfach zu übernehmen, so sorgen Behörden oder die Lobywirtschaft bis heute dafür, dass bahnbrechende Medikamente die im Osten erfunden wurden nie auf dem Markt Fuß fassten oder keine Kassenzulassung bekamen (z.B. Pentalong)

Wieder ein Beispiel von Vielen, wie man 17 Millionen Kunden bekam und unliebsame Konkurenz im Vorfeld ausgeschaltet hat.

Gruß Alex

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stomatophylax Offline



Beiträge: 350

11.05.2012 12:35
#45 RE: ehemalige Staatsgrenze ist aktuelle Armutsgrenze antworten

Um Medikamente nicht auf den Markt zu lassen, gibt es eine viel einfachere und wirksamere Methode: Die Arzeimittelkommission, die über die Zulassung entscheidet und darüber befindet ob das Medikament auf die Positivliste kommt, also zuzahlungsfrei bleibt. Vor den Augen dieser Truppe sind schon Sachen passiert, die Stoff für 1000 Filme abgeben würden. Jede Menge teure aber völlig unwirksame oder sogar schädliche "Spezialitäten", vulgo Kombinationen mehrerer Wirkstoffe oder unterschiedliche Formen, sind dort abgesegnet worden. Warum gibt es in Deutschland ca. 80 000 Medikamente bzw. Formate und an jeder Ecke eine Apotheke, während z.B. Norwegen mit etwa 1500 Artikeln auskommt?

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