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Dieses Thema hat 34 Antworten
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 Von Germanien bis 1914
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C a t e x u s Offline




Beiträge: 2.786

24.06.2012 15:05
RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Sachsens Glanz und Preußens Gloria ist ein sechsteiliger Fernsehfilm, der auf historischen Ereignissen der Jahre 1697 bis 1763 basiert.

Produziert wurde Sachsens Glanz und Preußens Gloria in den Jahren 1983 und 1984 durch das Fernsehen der DDR, die ersten beiden Teile über Gräfin Cosel erst 1987. Zahlreiche Aufnahmen entstanden an den tatsächlichen Schauplätzen der Handlung oder an historischen Orten, die als Ersatz für ähnliche, aber nicht mehr existierende oder über die Jahrhunderte zu stark veränderte Bauten dienten. Zu den Drehorten zählten unter anderem das Dresdner Schloss, der Dresdner Zwinger, die Burg Stolpen, die Festung Königstein, die Görlitzer Altstadt, das Schloss Moritzburg, das Bautzener Domstift und das Schloss Albrechtsburg in Meißen. Die Dreharbeiten wurden dadurch erschwert, dass manche Bauten noch von Kriegszerstörungen gezeichnet und erst teilweise wiederaufgebaut waren, z. B. das Dresdner Residenzschloss. Ein Kuriosum sind verschiedene Einstellungen, bei denen unabsichtlich Gegenstände zu sehen sind, die es zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht gab wie z. B. Straßenbahnschienen, Gullydeckel oder Glühlampen.

Als literarische Vorlage für Sachsens Glanz und Preußens Gloria dienten drei Romane des polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (Gräfin Cosel, Brühl und Aus dem Siebenjährigen Krieg), die auch als Sachsentrilogie bekannt sind. Die detailreichen und in mancher Hinsicht stark von den tatsächlichen historischen Geschehnissen abweichenden Romane wurden jedoch für die Drehbücher erheblich gestrafft und verändert, so dass die Verfilmung eine recht freie Umsetzung der Romanmotive darstellt.

Im Jahr 2011 legten die Dresdner und die Chemnitzer Morgenpost die gesamte TV-Serie in sechs Teilen als DVD ihren Ausgaben bei. Gleichzeitig startete sie eine 25-teilige Zeitungsserie, welche sich mit der DDR-Verfilmung beschäftigte. So wurden die Dreharbeiten in Dresden unter die Lupe genommen, die Probleme während der Produktion beleuchtet, Schauspieler und Regisseur vorgestellt. Außerdem wurde die historische Geschichte August des Starken und seiner Gegenspieler aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Die Reaktion der Leser war überwältigend. Ein zweiter Teil der Reihe erschein unter dem Motto: „Was vom Glanze übrig blieb“. Autor Jens Jungmann begab sich dafür auf Spurensuche in Warschau, Krakau, Dresden, Pretzsch, Hubertusburg und vielen anderen Wirkungsstätten der beiden großen Kurfürsten, brachte viele noch völlig unbekannte Details und Geheimnisse ans Licht. Dabei standen die Direktoren und Experten der Museen der Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden, des Sächsischen Hauptstaatsarchives, der Schlösser und Gärten Sachsens, des Heimatvereines Pretzsch, des Königlichen Schlosses in Warschau und des Wawels in Krakau stets hilfreich und mit tiefem Wissen zur Seite. Beide Serien brachten der Morgenpost ein Auflagenplus von 25 Prozent, weshalb sich das Dresdner Druck- und Verlagshaus (DD+V) entschied, die Serie in überarbeiteter Form im April 2012 als Buch in den Handel zu bringen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/

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Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

28.06.2012 09:21
#2 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Vor genau 200 Jahren vereinigten sich "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" erneut in der Heerfolge der Großen Armee Napoleons I. Zwischen 24.Juni und 30.Juni 1812 zogen etwa 20.000 Sachsen und ca. 20.000 Preußen auf drei Pontonbrücken über die Memel (Njemen), dem Grenzfluß im Osten zwischen Preußen und dem seit 1795 russisch anektiertem Litauen. Die Verbündeten von 1806 gegen den Kaiser der Franzosen waren nun dessen Hilfswillige. Am 28.Juni 1812 kam es zur ersten ernsthaften Feindberührung mit dem russischen Heer. Zur erhofften Schlacht bei Deweltowo kam es nicht. Die Russen zogen sich weiter zurück und wollten sich erst am Fluß Düna bei Drissa im Schutz von Feldstellungen einen Kampf liefern. Der geistige Vater dieser Defensiveinstellung der Russen war auch ein Deutscher, der Württemberger KARL LUDWIG VON PHULL (1757-1826), russischer Generalmajor und Militärberater des Zaren und russischen Kaisers Alexander I. Von Phull war als preußischer Generalmajor und Generalstabschef des Preußenkönigs Friedrich III. einer der Verantwortlichen für die Niederlage der Preußen und Sachsen bei Jena und Auerstedt von 1806. Er hatte großen Respekt vor der Feldherrenkunst Napoleons und versuchte die Guerilla-Taktik der Spanier gegen Napoleon I. in Rußland anzuwenden. Obwohl sich auch Rußland seit 1811 auf diese militärische Auseinandersetzung mit Frankreich vorbereitete, war das russische Heer noch nicht in einer ausreichenden Konzentration versammelt. Träger dieses Kleinen Krieges in Rußland wurden anfänglich die zarentreuen Kosaken und Kirgisen. Der Aufruf zum "Vaterländischen Krieg" erfolgte erst nach dem Fall von Smolensk und Moskau und der Gewißheit, das Napoleon I. eben nicht (!) die "Bauernbefreiung und Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland" durchsetzen wollte. Napoleons I. Plan war lediglich, die Russen militärisch zu besiegen, danach als Verbündete zu gewinnen und gemeinsam zum "Feldzug nach Indien" aufzubrechen. Hier sollte der "Erbfeind" England entscheident geschlagen werden.

stomatophylax Offline



Beiträge: 350

28.06.2012 12:55
#3 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Kai Guleikoff,

einige Richtigstellungen. Friedrich III. war 1888 für 99 Tage Deutscher Kaiser und König von Preußen. Zur Zeit Napoleons regierte Friedrich Wilhelm III.
Kriegsziel Napoleons gegen Russland war die Wiederherstellung der Blockade des britischen Überseeehandels, die sog. Kontinentalsperre. Dies war nach der Niederlage von Trafalgar der einzige Weg, um Großbritannien finanziell zu treffen und friedensbereit zu machen. Ein Kriegszug von Russland nach Indien gehört in das Reich der Märchen. Schon ein Blick auf die Karte zeigt, dass dies damals völlig unmöglich war. Zum einen gab es außer der Ossetischen Heerstraße keinen Landweg über den Kaukasus; zum anderen endete das Zarenreich in den Steppen an Don und Ural, die kaukasischen und zentralasiatischen Gebiete wurden erst 50 Jahre erobert. Wie wollte eine große Streitmacht durch die von kriegerischen Bergvölkern bewohnten Gebiete des heutigen Iran oder Afghanistans bis nach Indien gelangen?

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

29.06.2012 10:51
#4 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Richtig ist, Friedrich III. wurde erst 10 Jahre nach dem Tod Napoleons I. geboren. Gemeint ist natürlich FRIEDRICH WILHELM III., der Ehemann der legendären Königin Luise.
Richtig ist aber auch der erwogene INDIEN-FELDZUG Napoleons I., vertraglich vorbereitet in der FRANCO-PERSISCHEN ALLIANZ vom 04.Mai 1807 im VERTRAG VON FINCKENSTEIN. Napoleon I. fühlte sich bekanntlich nicht nur der Tradition Karl des Großen verpflichtet (Vereinigte Staaten von Europa) sondern auch der Alexander des Großen (Interkontinentaler Welthandel). Die Großen der Weltgeschichte planen und verwirklichen eben Vorhaben, die uns "Normalos" nur als Märchen erscheinen können! Die Einbindung Rußlands, des Osmanischen Reiches und Persiens in dieses Vorhaben ist faktenreich geschildert bei EUGEN TARLE in seinem Buch "1812 - Rußland und das Schicksal Europas", erschienen im Verlag Rütten & Loening, Berlin 1951.

stomatophylax Offline



Beiträge: 350

29.06.2012 11:43
#5 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Selbst wenn Rußland und Persien mitgespielt hätten, so blieb es dennoch utopisch, eine Riesenarmee im Fußmarsch durch die Steppen und Hochgebirge Vorder- und Mittelasiens nach Indien zu führen. Von der Versorgung, die vollständig auf dem Landweg erfolgen musste, ganz abgesehen.
Alexander der Große führte sein Heer durch fruchtbare Gebiete des hervorragend organisierten persischen Großreiches, seine Männer konnten aus dem Land ernährt werden. Diese Gebiete wurden im 13. Jahrhundert von den Mongolen verwüstet, Südpersien galt bis dahin als eines der vier grünen Paradiese des Orients. Nur der Rückmarsch durch die Halbwüsten Belutschistans wurde ein entbehrungsreiches Unterfangen

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

09.09.2012 13:09
#6 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Die SCHLACHT VON BORODINO wurde vor 200 Jahren am 07.September 1812 geschlagen. In 10 Stunden starben auf beiden Seiten 58.521 Soldaten und 35.478 Pferde (Angaben nach Britten-Austin). Etwa 80 Prozent im unmittelbaren Nahkampf der Kavallerie (dadurch die hohen Pferdeverluste) und der Infanterie. Für heutige Ansichten unvorstellbare Verluste, die zu Aufständen in der eigenen Truppe führen würden. Der Schlachtverlauf ist bei WIKIPEDIA gut dargestellt unter "SCHLACHT VON BORODINO". Auch heute noch wird wenig nachgefragt, was aus den vielen toten Menschen und Tieren auf kleinem Raum geworden ist. Nach dem Abreiten des Schlachtfeldes durch die siegreichen Franzosen und der Bergung vorwiegend der eigenen Verwundeten und "wertvoller" Toter (hohe Offiziere), begannen die Siegesfeiern bis zum Morgengrauen des kommenden Tages. Zeitgleich setzte die Plünderung des Schlachtfeldes ein im bunten Gemisch der siegreichen Soldaten mit der einheimischen Bevölkerung. Zum Beginn jeder Schlacht versammelten sich in dieser Zeit auch zivile "Schlachtenbummler" am Rande des Schlachtfeldes. Jeder Soldat führte sein persönliches Guthaben am Körper mit. Oft auch "nur" geraubtes Gut vergangener Schlachten. Das war den Plünderern bekannt. Zurück blieben die nackten Körper der Toten. Alles wurde eben gründlich "verwertet"! In den Folgetagen wurden die toten Körper von Mensch und Tier in Massengräbern begraben bzw. auf Scheiterhaufen verbrannt. Dazu wurde als "Gegenleistung" die einheimische Bevölkerung verpflichtet. Eine sofortige Kennzeichnung der Begräbnis- und Verbrennungsstätten war nicht üblich. Wochen(!)nach der Schlacht von Borodino wurden noch unbestattete Tote gefunden, von streunenden Hunden und Wölfen angefressen und von Raben zerhackt. KÖSTLICH IST DER TOD FÜRS VATERLAND!

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

19.09.2012 22:04
#7 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig waren heute echte Don-Kosaken auf ihren Pferden zu bestaunen. Sie trugen die Uniform der Garde-Kosaken aus dem Vaterländischen Krieg von 1812. Diese Abordnung befindet sich auf einem Ritt von Moskau nach Paris und folgt damit symbolisch der Spur ihrer Vorfahren von 1812/13. Moskau war vor 200 Jahren ein rauchendes Trümmerfeld. Der BRAND VON MOSKAU(14. bis 18.September 1812) führte zur zweiten Einäscherung der "Heiligen Stadt", nach der "Bestrafung" der tributunwilligen Russen durch Khan Toktamisch im Jahre 1382. Damals starben mehr als 10.000 Moskauer in den Flammen. Anders war der Ablauf im Jahre 1812. Nach der verlorenen SCHLACHT VON BORODINO entschied der russische Kriegsrat, in der "ENTSCHEIDUNG VON FILI, am 13.September 1812 die Aufgabe von Moskau. Der Gouverneur von Moskau, General ROSTOPTSCHIN und die hohen Geistlichen der orthodoxen Kirche waren dagegen. Die Mehrheit der Moskauer floh jedoch aus der Stadt und Rostoptschin ließ durch seine Kosaken Feuer legen.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

31.10.2012 21:45
#8 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Nach dem der Brand von Moskau gelöscht bzw. erloschen war, wartete NAPOLEON I. im Kreml seit fünf Wochen auf eine Nachricht aus Petersburg: Der Friedensantwort des Zaren und Kaisers von Rußland NIKOLAUS I. Doch die kam nicht. In Petersburg hatte sich die Kriegspartei durchgesetzt und forderte die "Vernichtung des Antichristen" mit allen seinen Verbündeten. Im Kriegsrat Napoleons wurde die Frage erörtert: Überwintern in Moskau oder Rückzug auf Smolensk, auf der alten Vormarschstraße. Der Südweg über Kaluga war durch russische Truppen versperrt worden. "Keine weitere Affäre mehr" hatte NAPOLEON I. befohlen. Noch ein "Borodino" hätte das militärische Ende bedeutet! Staatssekretär Graf PIERRE DARU stand an der Spitze der "Überwinterer". Im befestigten Moskau könnten die Truppen sechs Monate verbleiben durch Nachschub aus dem besetzten Lithauen. Danach Vorstoß auf Petersburg im Frühjahr 1813. Napoleon I. soll geantwortet haben: "Aber was sagt Paris? Wer kann die Wirkung einer solchen sechsmonatigen Trennung berechnen? Frankreich könnte sich an meine Abwesenheit nicht gewöhnen, Preußen und Österreich würden sie benutzen." Der Aufbruch aus Moskau wurde damit angeordnet. Mit großer Kriegsbeute verließ NAPOLEON I. die Stadt. Von seinem Adjutanten, General Graf JEAN RAPP, einem Elsässer, sind des Kaisers Worte überliefert: "Sehn Sie nicht, wie schön das Wetter ist, noch heut, am 19.Oktober? Erkennen Sie nicht meinen Stern?"

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

27.11.2012 10:21
#9 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Am 27.November 1812 überquerte NAPOLEON mit den Resten seiner Garde gegen Mittag die beiden Behelfsbrücken über die weißrussische Beresina(Bjaresina)in der Nähe des abgerissenen Dorfes Sembin(Zembin). Das Material der Holzhäuser mußte in die Brückenbauten verbracht werden, da im Chaos der Befehlsgebung auf dem Rückzug, der französische Pontonpark verbrannt worden war. Der Übergang über den eistreibenden Fluß ist als SCHLACHT AN DER BERESINA(26.bis 30.November 1812)in die Geschichte eingegangen. Für die Große Armee brachte sie einen Verlust von ca. 30.000 Toten,Vermißten und Gefangenen. Vor allem die verbündeten Polen und Deutsche, die den Übergang sicherstellen mußten und auch die Nachhut bildeten, hatten die höchsten Opferzahlen zu melden. An der Beresina ging die berühmte sächsische Reiterei unter, wie zuvor bei BORODINO die ebenso berühmten bayrischen Kürassiere. Die Person des Kaisers NAPOLEON stand allein für diesen sehr blutigen französischen Erfolg. Sein unmittelbarer Gegener vor Ort, der russische Admiral TSCHITSCHAKOW, war ihm nicht gewachsen. Seine Vorgesetzten, Marschall KUTUSOW und General WITTGENSTEIN, versuchten ihn dafür zum "Sündenbock" zu machen, den Übergang nicht verhindert zu haben und NAPOLEON als Gefangenen einzubringen. TSCHITSCHAKOW wurde als Befehlshaber der russischen Moldau-Armee abgelöst. NAPOLEON setzte sich am 05.Dezember in Wilna(Vilnius), mit einer kleinen Begleitung, in zwei Schlitten und erreichte über Warschau und Weimar am 18.Dezember 1812 Paris. Zurück blieben die überlebenden 25.000 Mann von der Großen Armee, darunter die Reste der Alten Garde mit 400 Mann zu Fuß und 800 Mann zu Pferd. Der Rußlandfeldzug war beendet.

Kai Guleikoff Offline



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07.12.2012 09:32
#10 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

An diesem frühen Morgen des 05.Dezember 1812 wäre NAPOLEON beinahe einem Attentat durch eigene Offiziere zum Opfer gefallen. Seinem Kaiserzelt auf russischem Boden näherte sich der französische Major LAPIE. An diesem Tag hielten preußische Hauptleute der "Heiligen Schar" die Ehrenwache. Die "Heilige Schar" war eine Truppe höherer Offiziere, die durch Verlust ihrer Soldaten kein Kommando mehr einnahmen und zur persönlichen Verfügung des Kaisers standen. Major LAPIE soll seine Hand auf den Säbelkorb gelegt haben mit den Worten: "Jetzt, meine Herren! Das wäre der Augenblick!" Der Wachführer, der das Zelt betreten durfte, möge zuerst den Leibmameluken RUSTAN und dann den Kaiser niederstechen. Der Preuße soll geantwortet haben: "Diese Ehre steht nur einem Landsmann des Kaisers zu!" Das Gespräch vor dem Zelteingang hörte der persönliche Adjutant des Kaisers, ARMAND CAULAINCOURT, mit und reagierte auf seine Weise als erfahrener Diplomat. CAULAINCOURT spielte den Ahnungslosen, trat aus dem Zelt und rief: "Also meine Herren, wir reisen!"
MURAT erhielt das Kommando über die versammelten 9.000 Bewaffneten. Erstmals umarmte NAPOLEON jeden seiner verbliebenen Generale persönlich! Mit einbrechender Dunkelheit stieg er in den Schlitten mit CAULAINCOURT und DARU. NAPOLEON nannte sich jetzt mit dem Namen (und den Papieren) seines persönlichen Sekretärs: RAYNEVAL. Nur ein Begleitschlitten folgte.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

30.12.2012 12:48
#11 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Die KONVENTION VON TAUROGGEN jährt sich heute zum 200. Male. Ein Gedenkstein mit Beschriftung in litauischer Sprache erinnert an das Ereignis vom 30. Dezember 1812 in der (nicht mehr vorhandenen) Poscheruner Wassermühle am Flüßchen Telzjorupa. Das Denkmal von 1912 mit russischer und deutscher Inschrift ist nach 1992 "privat verwertet" worden. Die Deutung dieser Konvention fällt bis in die Gegenwart unterschiedlich aus. Es war kein (!) Militärbündnis zwischen Preußen und Rußland, wie manchmal behauptet wird, sondern eine NEUTRALITÄTSÜBEREINKUNFT. Das preußische Hilfskorps unter Befehl des 53jährigen Generalleutnants YORK schied aus der Großen Armee Napoleons aus, blieb aber als 20.000 Mann starke Formation unter Waffen und Ausrüstung, nach dem Rückzug, in Ostpreußen bestehen. Der Pour-le-Merite-Träger YORK erklärte sein Verhalten mit der Pflicht, die ihm anvertrauten Truppen seinem König Friedrich Wilhelm III. zu erhalten. Der Untergang der Großen Armee im Rußlandfeldzug von 1812 beförderte natürlich diese Zerfallsbestrebungen unter den Verbündeten Napoleons. Gerade die Deutschen und Polen hatten die höchsten Verluste zu verzeichnen. Napoleon selber prahlte in Paris mit der Aussage: "Unter den 300.000 Mann, die ich verloren habe, waren gerade mal 30.000 Franzosen!" Obwohl eine propagandistische Übertreibung, kennzeichnete diese Aussage die "Wertschätzung" gegenüber seinen Verbündeten und deren "Verheizung" in den Schlachten. Diesem Schicksal wollte YORK entgehen, zumal er selber von russischen Truppen unter WITTGENSTEIN eingeschlossen war. Verhandlungspartner der russischen Seite wurde der erst 27jährige Generalmajor DIEBITSCH, Generalquartiermeister des Korps WITTGENSTEIN. Unter den wenigen Augenzeugen war auch ein Oberstleutnant CLAUSEWITZ, der spätere bedeutende Militärtheoretiker, preußische General und Autor des Standartwerkes "Vom Kriege".

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

05.01.2013 10:17
#12 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Am O5. Januar 1813 wurde KÖNIGSBERG in Ostpreußen von der Reiterei des russischen Generalleutnant Graf CARL GUSTAV VON SIEVERS besetzt. Zuvor lieferte sich dessen 4. Kavallerie-Division noch ein Gefecht mit der Nachhut der Resteinheiten des 10. Korps des französischen Marschall MACDONALD. Dessen Hauptkräfte hatten KÖNIGSBERG am 03. Januar 1813 bereits geräumt. Durch den "Verrat von Tauroggen" (aus Sicht Napoleons) standen MACDONALD kaum 9.000 Mann zur Verfügung, die dem russischen Korps WITTGENSTEIN nur noch hinhaltenden Widerstand leisten konnten. Die Besetzung der preußischen Krönungsstadt und zweiten Residenz Friedrich Wilhelm III. durch die Russen, führten zu ernsten Spannungen zwischen Paris und Berlin. Preußen gehörte zwar nicht zum deutschen RHEINBUND, war aber durch eine ALLIANZ von 1806 Verbündeter Napoleons (im damaligen Sprachgebrauch offiziell mit dem Begriff VASALL belegt). Friedrich Wilhelm III. mußte nach Tauroggen sogar damit rechnen, durch einen der zahlreichen Verwandten des Kaisers "ersetzt" zu werden! Doch auch auf französischer Seite begann ein Zersetzungsprozeß innerhalb der obersten Führung nach der Katastrophe des Rußlandfeldzuges. Selbst Napoleons Schwager, JOACHIM MURAT, König von Neapel und Großherzog von Berg, Reichsmarschall und Großadmiral, begann eigene Interessen in den Vordergrund zu stellen. Als Stellvertreter Napoleons über die Reste der Großen Armee, räumte er eigenmächtig die ihm befohlenen Positionen und verließ am 01. Januar 1813 KÖNIGSBERG. Für Preußen waren günstige Bedingungen entstanden, die Seiten zu wechseln.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

03.02.2013 09:41
#13 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Seit dem 25.Januar 1813 befanden sich der preußische König und der preußische Kronprinz mit ihrem Gefolge in der französisch unbesetzten Stadt Breslau in Schlesien. Die russische Armee des Marschalls KUTUSOW hatte Ende Januar 1813, mit ihren weit vorausreitenden Kosakenstreifen, die Oderlinie erreicht und bedrohte damit die Zufahrtswege nach dem französisch besetzten Berlin. FRIEDRICH WILHELM III. war offiziell immer noch Bündnispartner("Vasall")NAPOLEONS. Der Kaiser der Franzosen forderte die Aushebung neuer preußischer Hilfstruppen.
Diesem Ersuchen folgend unterschrieb der Preußenkönig am 03.Februar 1813 eine "Allerhöchste Kabinetts-Order" zur Aufstellung "Königlich Preußischer Freikorps" - um dem "Kosakenunwesen" erfolgreich begegnen zu können. NAPOLEON fehlten nach dem Rußlandfeldzug von 1812 vor allem berittene Einheiten. Preußens Generalstabschef SCHARNHORST nutzte somit "ganz legal" die Gunst der Stunde zur Formierung bewaffneter Kräfte gegen die verhaßte Besatzungsmacht. Major von LÜTZOW erhielt mit dem 09.Februar 1813 Befehl, ein "Freikorps Reitender Jäger" aufzustellen.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

12.02.2013 11:38
#14 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Mit den erlassenen Befehlen zur Bildung der freiwilligen Jäger-Korps in Preußen wurden die Franzosen "hellhörig"! Die Besatzungsbehörden erließen Weisungen, derartige "Rekrutierungen" zu behindern. NAPOLEON selber wurde von der "gekrönten" Verwandschaft geraten, alle preußischen Truppen dem französischen Oberbefehl zu unterstellen und damit auch "Restpreußen" (soweit noch möglich) zu besetzen. Der (vorerst) diplomatische Krieg war eröffnet! HARDENBERG und SCHARNHORST drängten FRIEDRICH WILHELM III. den Druck auf NAPOLEON zu erhöhen. Der König, als Mensch ein mißtrauischer Zauderer und als Soldat völlig unbegabt, fürchtete (nicht unbegründet) die Rache NAPOLEONS. Die Franzosen und Rheinbündler standen mit immerhin 100.000 Mann in Preußen und die Rettung bringenden Russen ließen sich viel Zeit auf ihrem Vormarsch nach Westen. Rußlands Oberbefehlshaber KUTUSOW zeigte persönlich wenig Interesse an diesem Feldzug. Er wollte nach Hause auf seine Schlösser und sich dort für 1812 vom Volke feiern lassen. Kaiser ALEXANDER I. selber wagte nicht den "Retter Rußlands" zu bevormunden. Doch dann gab FRIEDRICH WILHELM III. endlich nach und erließ am 12. FEBRUAR 1813 einen "Allerhöchsten Armeebefehl" mit dem Inhalt: YORK erhält das alleinige Oberkommando über die preußischen Truppen in Ostpreußen und Pommern, BLÜCHER denselben in Schlesien. NAPOLEON wurde ersucht, 94 Millionen Franc "Bündnishilfe" an Preußen zu überweisen. Die französisch besetzten Oderfestungen sollten sich in Zukunft nicht mehr "aus dem Land heraus verproviantieren". - Ein derartig bestimmender Ton war zwischen Berlin (jetzt Breslau) und Paris bisher nicht üblich gewesen.

Kai Guleikoff Offline



Beiträge: 932

21.02.2013 10:48
#15 RE: Sachsens Glanz und Preussenes Gloria antworten

Der Leutnant im Kosaken-Korps OTTO VON ARNIM und der Hauptmann im Kosaken-Korps FREIHERR KARL ALEXANDER VON BLOMBERG werden in der deutschen Geschichtsschreibung als die ERSTEN GEFALLENEN DER BEFREIUNGSKRIEGE von 1813 bezeichnet. Weniger bekannt sind die Umstände ihres Heldentodes. Noch weniger ist bekannt, wer diese Patrioten zu Tode brachte.

OTTO VON ARNIM, Offizier im Stab TETTENBORN, führte am 18.FEBRUAR 1813 einen Kosaken-Spähtrupp zu Pferde von der märkischen Stadt WRIEZEN aus in Richtung BERLIN. Als Ortskundiger ritt er an der Spitze. Zur Mittagsstunde des Tages kam es bei dem Dorf BLUMBERG (an der heutigen B 158) zu einer Begegnung mit einem gegnerischen Spähtrupp Reitender Jäger aus Würzburg. Diese französischen Verbündeten hatten den Auftrag, von Berlin aus den Vormarsch des russischen Streifkorps TETTENBORN zu beobachten. Die Würzburger eröffneten mit ihren gezogenen Büchsen das Feuer auf die Kosaken. OTTO VON ARNIM wurde durch einen Brustschuß tödlich getroffen. Die ihn begleitenden Kosaken ließen sich auf kein Gefecht ein und traten den Rückzug an. Der nackte Leichnam des OTTO VON ARNIM ist dann von einheimischen Bauern in WRIEZEN abgegeben worden.

FREIHERR KARL ALEXANDER VON BLOMBERG, Adjutant des russischen Generals TSCHERNITSCHEFF, erhielt den Auftrag, einen Handstreich auf das französisch besetzte BERLIN durchzuführen. Es sollten Gefangene eingebracht werden. Einheimische Informanten hatten den Russen gemeldet, daß die Berliner zu einem "Aufstand" bereit wären.
Die Kosaken hatten am Abend des 19.FEBRUAR 1813, von der Stadt ALTLANDSBERG aus kommend, das Dorf PANKOW erreicht und ihr Lager aufgeschlagen. Die Berliner Garnison war am 18. FEBRUAR 2013 durch den (bereits genannten) Spähtrupp der Würzburger alarmiert worden. BERLIN hatte in dieser Zeit 14 Land- und 2 Wassertore. Diese Tore wurden von einheimischen Berlinern bewacht: der in französischen Diensten stehenden BÜRGERGARDE unter ihrem "Oberst" JORDAN, einem Juwelier. Diese BÜRGERGARDE bestand aus "Besitzbürgern"( vorwiegend aus der französischen Kolonie der Hugenotten), die durch diese "Dienstleistung" steuerbefreit waren.
Am frühen Morgen des 20.FEBRUAR 1813 rückten 2 Kosaken-Trupps mit 2 bespannten Feldkanonen auf das SCHÖNHAUSER TOR und auf das BERNAUER TOR vor. Das SCHÖNHAUSER TOR war zu diesem Zeitpunkt unbewacht und offen. Die Mehrheit der Kosaken drang hier ein und stieß bis zum ALEXANDERPLATZ vor. Das BERNAUER TOR erwies sich dagegen als ordnungsgemäß gesichert. BLOMBERG befahl hier den Einsatz der beiden Begleit-Kanonen. Der Beschuß blieb wirkungslos: die Kosaken der Bedienung waren vom vorabendlichen Gelage noch nicht "ernüchtert". Nach dem Verschuß des Munitionsvorrates, blieb BLOMBERG nur der Sturm auf das verschlossene Tor übrig. Kurz vor Erreichung des Zieles setzte Musketenfeuer ein. BLOMBERG und 2 Kosaken wurden von ihren Pferden geschossen und fanden hier den Tod. Die übrigen Kosaken zogen sich zurück, hier allerdings unter Mitnahme der Gefallenen.
Die bis in die Innenstadt vorgedrungenen Kosaken konnten zwar Gefangene einbringen, fanden jedoch keine "aufstandsbereite Bevölkerung" vor. Dem einsetzenden Beschuß der Franzosen und der BÜRGERGARDE auf den Straßen ausgesetzt, traten sie den Rückzug aus der Stadt an.

Für die Befehlshaber der Franzosen hatte dieser HANDSTREICH VOM 20.FEBRUAR 1813 persönliche Folgen: Der Gouverneur von Berlin, Marschall AUGEREAU, wurde durch Marschall ST.CYR ersetzt und der Stadtkommandant von Berlin, General DESSAIR, durch den General GIFFLENDA.

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